Gemeinsame Pressemitteilung mit dem Landesschülerausschuss: Abschlussball - (Alp-)traum, oder wie eine Branche sich selbst zerlegt?

Wie in den vergangenen Jahren beschäftigten sich die Abschlussjahrgänge mit der Durchführung ihrer Rituale. Das Highlight eines Schulabschlusses war dabei immer der Abschlussball. Die meisten Schüler*innen und deren Familien, sowie die Lehrkräfte haben sich damit abgefunden, dass der Ball dieses Jahr nicht stattfinden kann.

Die Eventagenturen, welche sich auf die Durchführung von Abschlussbällen spezialisiert haben, gehen sehr unterschiedlich mit dieser besonderen Lage um. Wir begrüßen die Entscheidung des Großteils der Agenturen und Veranstaltungsorte, den Schüler*innen, kostenneutrale oder günstige Stornierungsangebote zu machen.

Während Abschlussbälle, welche direkt bei den Locations gebucht wurden, problemlos und unter Rückerstattung der geleisteten Anzahlungen abgesagt werden konnten, berufen sich einige Agenturen auf die unter anderen Umständen geschlossenen Verträge und bieten einen Rücktritt nur mit Hinweis auf überhöhte Stornierungskosten an.

 

Mit besonders unseriösen, geradezu zwielichtigen Methoden sticht hier die Agentur „Abiplaner“ heraus. Das Vorgehen dieser Agentur verurteilen wir aufs Schärfste.

Die Abiturient*innen, die zumeist mit gerade 18 Jahren die Vertragsnehmer*innen der Agentur sind, wurden zunächst mit sehr attraktiven Versprechungen gelockt und auf die außerordentlich guten Versicherungen hingewiesen, und nun werden sie aufs Massivste unter Druck gesetzt, Vertragsänderungen zuzustimmen, welche hohe Kosten ohne erkennbaren Nutzen verursachen. Ob und in welcher Form die neu vereinbarten Veranstaltungen jemals stattfinden können, wird offenbar auch schon beim Veranstalter bezweifelt. Laut telefonischer Auskunft seien „Abschlussfeiern, so wie wir sie kannten, wohl in Zukunft nicht mehr möglich.“ Trotzdem will man bei „Abiplaner“ am Konzept der Großveranstaltungen festhalten und im Zweifel mehrere Abschlussfeiern verschiedener Schulen parallel in einem Saal veranstalten. Auch werden nach wie vor Veranstaltungen über 2000 Personen in die veränderten Verträge aufgenommen. Zeit, Ort und Größe der Veranstaltung sind nicht Bestandteil der neuen Verträge. Hierüber haben auch die Vertragsnehmer*innen keinen Einfluss.

Anstatt frühzeitig eine kulante Regelung zu treffen, die für beide Seiten nur geringen Schaden verursacht hätte, nötigen manche Abschlussball-Agenturen durch ihre Stornierungsbedingungen die Schüler*innen, an Großveranstaltungen festzuhalten. Das kommt einer Aufforderung gleich, sich in der gegenwärtigen Lage unverantwortlich zu verhalten, sowie ggf. die eigenen Familien der Gefahr einer Ansteckung mit COVID-19 auszusetzen.

Wo diese Feiern stattfinden sollen, ist völlig unklar, denn die von uns angefragten, üblichen Veranstaltungsorte distanzieren sich ausdrücklich von dieser Art Veranstaltung, da eine feierliche Stimmung unter Einhaltung der Hygieneauflagen in der Anzahl der Teilnehmenden nicht möglich sei.

Die Bemühungen des Landesschülerausschusses, mit Abiplaner ins Gespräch zu kommen und zu einer für alle Beteiligten gangbaren Lösung zu kommen, sind bislang gescheitert.

Das Vorgehen dieser Agentur führt nun unter anderem dazu, dass auch andere, seriös arbeitende Agenturen sehr kritisch beäugt bzw. gemieden werden. Ein Schaden für die gesamte Branche, der sich über Jahre hinziehen kann.

Wir fordern Abiplaner dazu auf, schnellstmöglich faire und transparente Lösungen mit ihren Vertragspartnern zu finden. Vor dem Hintergrund, dass viele Anbieter faire Regelungen gefunden haben, sehen wir das Vorgehen von Abiplaner sonst als unseriös an und werden entsprechende Hinweise im Landesschülerausschuss und im Landeselternausschuss geben.

Sollten die Abschlussball-Agenturen an den Verträgen festhalten, werden der Landesschülerausschuss und der Landeselternausschuss in Zukunft jährliche Warnungen vor der Kooperation mit Vertreter*Innen dieser Agenturen aussprechen.