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VERTRETUNG
Schulen sollen Geld abgeben
SCHULJAHRESENDE - Die Hauptschule bereitet ihr Ende vor. Die Personalsituation an den Schulen ist äußerst angespannt. Und eine türkischstämmige Vertretungslehrerin sieht sich diskriminiert.
Martin Klesmann
Kurz vor Ferienbeginn erzürnt ein Rundbrief aus der Bildungsverwaltung die Berliner Schulleiter. Am Freitag kündigte Abteilungsleiter Erhard Laube an, dass die Schulen ihr aus 2009 übrig behaltenes Geld für Vertretungslehrer an die Bildungsverwaltung zurückzahlen müssen. Bisher war es üblich, dass Schulleiter einen Teil des Geldes ins kommende Schuljahr übertragen konnten. "Das kommt einem Wortbruch gleich", sagte Paul Schuknecht, Vorsitzender GEW-Schulleitervereinigung. Es gehe insgesamt um einen "Millionenbetrag". Allein an seiner Einrichtung, der Friedensburg-Oberschule in Charlottenburg, gehe es um 15 000 Euro, die für ein Theaterprojekt eingeplant gewesen seien. "Der Senator sucht offenbar verzweifelt nach Finanzierungsgrundlagen für das neue Schuljahr", sagte Ralf Treptow von der Vereinigung der Berliner Oberstudiendirektoren.
Streitpunkt ist die sogenannte Personalkostenbudgetierung (PKB): Seit drei Jahren erhalten die Schulen zusätzlich drei Prozent ihrer Personalkosten in bar, um damit die Vertretung für kurzfristig erkrankte Lehrer zu finanzieren. Nicht benötigtes Geld kann zu 50 Prozent in das darauffolgende Schuljahr übertragen und auch für Schulprojekte eingesetzt werden. Laube schreibt, "dass PKB-Mittel vorrangig Vertretungsmittel sind". Angeblich sei schon im Mai 2010 gut die Hälfte der Mittel abgerufen worden, eine wirksame Kontrolle gibt es bisher nur begrenzt. Künftig sollen sich Schulen in Verbünden zusammentun, um sich die Mittel nach Bedarf aufzuteilen.
93 zusätzliche Lehrer
Empört reagierten die Schulleiter auf Laubes Hinweis, er habe diese Maßnahme schon in einem Rundschreiben im Februar angekündigt. "Das war unverständliches Amtsdeutsch", sagte Schuknecht. Er wünsche sich da einen anderen Kommunikationsstil. Auch Grünen-Bildungspolitiker Özcan Mutlu kritisierte die Entscheidung: "Schulen, die Personalmittel effizient einsetzen, sind die Dummen."
Die Schulleiter vermuten nun, dass das eingesparte Geld für zusätzliche Pädagogenstellen ausgegeben werden soll. Zum nächsten Schuljahr sollen laut Senat 93 Lehrer zusätzlich eingestellt werden. Ralf Treptow sprach von einem "Skandal", dass die Bildungsverwaltung es immer noch nicht verstehe, Personal für das neue Schuljahr rechtzeitig zu sichern. Die Bildungsverwaltung verwies darauf, dass die Finanzverwaltung weiteres Geld bewilligt habe. (mak.)
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Bilanz des Jahres
Grundschule: Die hohe Zahl der Verweiler in der 2. und 3. Klasse entfachte erneut die Debatte um das jahrgangsübergreifende Lernen. Grundschullehrer kritisierten die Vergleichsarbeiten der 3. Klasse, weil viele Kinder die Aufgaben kaum nachvollziehen könnten. Ein Volksbegehren setzte eine bessere Personalausstattung in den Kitas durch.
Schulreform: Die Sekundarschule kommt, Haupt-, Real- und Gesamtschule laufen aus. Die Sekundarschule bietet künftig alle Abschlüsse an, auch das Abitur nach 13 Jahren. An den Gymnasien macht 2012 der "doppelte Abiturjahrgang" nach 12 Jahren Abitur.
Oberstufenzentren: Die Rolle der Oberstufenzentren und deren Kooperation mit den Sekundarschulen steht noch nicht so im Fokus der Öffentlichkeit.
Oberschulzugang: Der Zugang zu besonders nachgefragten Oberschulen wurde geregelt: Ab Frühjahr 2011 werden 30 Prozent der Plätze verlost, 10 Prozent gehen an Härtefälle und 60 Prozent werden vom Schulleiter vergeben, auf Grundlage des Notenschnittes.
Abitur: Der Abitur-Durchschnitt war 2010 mit 2,4 so gut wie noch nie. Das lag auch daran, dass man nun in den meisten Bundesländern eine glatte Vier erhält, wenn man 45 Prozent statt bisher 50 Prozent der Aufgaben löst.
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/0706/berlin/0063/index.html
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INTEGRATION SCHULJAHRESENDE - Die Hauptschule bereitet ihr Ende vor. Die Personalsituation an den Schulen ist äußerst angespannt. Und eine türkischstämmige Vertretungslehrerin sieht sich diskriminiert. 
06.07.2010
Weiterlesen:
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/0706/berlin/0021/index.html
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06. Juli 2010 05.40 Uhr, BZ
Morgen beginnen die Ferien. Doch viele Eltern wissen immer noch nicht, auf welches Gymnasium sie ihre Kinder schicken können. Nicht nur der Notenschnitt, auch die Entfernung zum Wohnort zählt. Wie das verrückte Beispiel von Patrick (12) aus Lichtenrade zeigt
Auf welche Schule er kommt, entscheidet der Routenplaner!
Häufig entscheidet nicht nur der Notenschnitt, sondern die Entfernung laut VBB-Routenplaner, ob ein Kind an einer weiterführenden Schule aufgenommen wird oder nicht. Der Landeselternausschuss beklagt "unzumutbare Zustände". Und immer mehr Eltern sind hilflos, weil sie aufgrund dieser Regelung immer noch nicht die gewünschte Schule für ihr Kind gefunden haben.
Heute ist letzter Schultag. Doch bei Patrick (12) und seiner Mutter aus Lichtenrade ist die Vorfreude auf den Urlaub getrübt. Sechs Wochen vor Beginn des neuen Schuljahres weiß der Junge noch nicht, welches Gymnasium er besuchen wird. Patrick ist Halb-Australier, spricht sehr gutes Englisch, hat gute Noten. Er möchte deshalb auf das zweisprachige Georg-Büchner-Gymnasium wechseln. Doch das Schulamt lehnte ab. Denn er wohnt drei Minuten zu weit von der Schule entfernt. Die Begründung: 90 Kinder meldeten sich für die Oberschule an, 60 Plätze stehen zur Verfügung. Bei der Vergabe achtete die Schulbehörde daher nicht nur auf Notenschnitt und Empfehlungsschreiben, sondern auch auf die Entfernung."Wir durften nur Kinder aufnehmen, die die Schule innerhalb von 20 Minuten erreichen können, die restlichen Plätze wurden verlost. Eine Auflage vom Schulamt, die auch wir ärgerlich finden", sagt Sabine Herrmann vom Büchner-Gymnasium. Patricks Haus ist laut Online-Routenplaner "VBB-Fahrinfo" 23 Minuten von der Schule entfernt. Mit dem Fahrrad wären es sogar nur zehn Minuten. Als Alternativschule bieten die Behörden Patrick das Eckener-Gymnasium in Mariendorf an. Doch das ist 38 Minuten entfernt. "Mein Sohn möchte nicht auf diese Schule. Er kennt dort niemanden", sagt Mutter Simone (38). Patricks Problem ist kein Einzelfall, wie Günter Peiritsch vom Elternausschuss bestätigt: "Uns liegen ähnliche Fälle vor. Da werden Kinder zum Teil quer durch die Stadt geschickt." Auch in der Senatsschulbehörde sieht man das Entfernungsprinzip inzwischen kritisch. Ein Sprecher: "Im kommenden Jahr wird es solche Fälle nicht mehr geben." Für Patrick ist das zu spät. Er muss in sechs Wochen die Schule wechseln.
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02.07.2010
GETRENNTER UNTERRICHT
Die Chemie der Geschlechter
An einer Charlottenburger Schule werden Naturwissenschaften nach Geschlechtern getrennt unterrichtet. Es ging um bessere Förderung der Mädchen - jetzt dürfen die Jungen den Anschluss nicht verlieren.
VON JAN MOHNHAUPT
Im Computerraum ist es ruhig. 14 Kinder sitzen vor den Rechnern, die entlang der vier Seitenwände stehen. Nur Jungen sind anwesend. Sie sollen eine Powerpoint-Präsentation über den Aufbau eines PC erstellen. Die Schüler arbeiten konzentriert, alle blicken in Richtung Wand, auf ihre Bildschirme. Nur manche unterhalten sie sich leise.
Weiterlesen: http://www.taz.de/1/berlin/artikel/1/die-chemie-der-geschlechter/
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Böse Überraschung: Schulsenator will Geld für Lehrer
Wenige Tage vor Ferienbeginn hat Berlins Bildungssenator Jürgen Zöllner von den Schulen Honorarmittel für Vertretungslehrer zurückgefordert. Damit verlieren Berliner Schulen bis zu fünfstellige Eurobeträge, mit denen sie festgerechnet haben. Viele Rektoren sprechen jetzt von "Wortbruch".
Das Schuljahr endet mit einem Eklat: Am Freitag haben Berlins Schulleiter erfahren, dass sie bis zu fünfstellige Eurobeträge verlieren, mit denen sie fest gerechnet hatten: Entgegen früherer Zusagen dürfen sie nicht die Vertretungsgelder behalten, die sie aus 2009 übrig behalten haben. Das hat der zuständige Abteilungsleiter Erhard Laube in einem Schreiben mitgeteilt, das dem Tagesspiegel vorliegt.
Grund für den ungewöhnlichen Schritt ist laut Bildungsverwaltung , dass etliche Schulen schon ihre Vertretungsmittel für 2010 ausgegeben haben. Die Rücklagen der anderen Schulen aus 2009 sollen wieder für Liquidität sorgen. Es dürfte sich um mehrere Millionen Euro handeln. Zusätzlich hat Laube die Schulen gebeten, „Verbünde“ einzugehen. Das bedeutet, dass Schulen, die noch Geld aus 2010 zur Verfügung haben, anderen aushelfen sollen, die bereits kein Geld mehr haben.
An den Schulen kann die Empörung größer kaum sein. Bislang hatten sie die sogenannte Personalkostenbudgetierung (PKB) akzeptiert, weil der hohe Verwaltungsaufwand für die eigenverantwortliche Suche nach Vertretungslehrern wettgemacht wurde durch einen gewissen finanziellen Spielraum für die Schulen: So konnten sie die zugeteilten Gelder „aufheben“ und ins nächste Haushaltsjahr mitnehmen und außerdem die Hälfte der Mittel für Projekte nutzen, die zu ihrem Schulprofil passten. Wenn sie jetzt die Gelder aus 2009 abgeben und außerdem noch anderen Schulen aushelfen müssten, sei die ganze PKB-Konstruktion nur noch ein „Moloch“ und damit uninteressant für die Schulen, warnt Paul Schuknecht vom GEW-Schulleiterverband.
Für den Vorsitzenden des Verbands der Oberstudiendirektoren, Ralf Treptow, bedeutet das Vorgehen der Bildungsverwaltung einen „Wortbruch, der mit schweren Konsequenzen verbunden ist“. Zudem bezweifelt er, dass die einbehaltenen Millionenbeträge nur dazu dienen sollen, den klammen Schulen zu ihren Vertretungslehrern zu verhelfen. Vielmehr vermutet Treptow, dass damit die fehlenden Lehrerstellen für das kommende Schuljahr finanziert werden sollen, was die Bildungsverwaltung allerdings vehement bestreitet.
Auch Pit Rulff, der die Berufsbildenden Schulen vertritt, bezweifelt die Version der Bildungsverwaltung. „Ich glaube einfach nicht, dass so viele Schulen schon ihre Gelder für 2010 ausgegeben haben“, sagt Rulff. Auch er sieht einen „Wortbruch, denn wir haben uns darauf verlassen“. Zudem teilt er Schuknechts Einschätzung, wonach das Instrument PKB jetzt „beschädigt“ sei.
Der Sprecher der Bildungsverwaltung, Jens Stiller, weist den Vorwurf des Wortbruchs zurück und verweist auf ein Rundschreiben vom Februar, in dem die Schulen bereits vorgewarnt worden seien, dass „nicht mehr alle Ausgaben aus sogenannten Restmitteln erfolgen können“.
Die Verbände weisen diese „Ausrede“ zurück. Diese „verklausulierte“ Formulierung jetzt ins Feld zu führen sei „schlechter Stil im Umgang mit den Schulleitern“, entrüstet sich Paul Schuknecht. Seine Friedensburg-Gesamtschule in Charlottenburg verliert 15 000 Euro aus 2009. Ein anderer Schulleiter sieht sich um knapp 40 000 Euro gebracht und vermisst „Verlässlichkeit“. Von der angeblichen Eigenverantwortlichkeit der Schulen sei nichts mehr übrig, wenn man ihnen plötzlich das Geld nehme, das sie selbst verwalten sollten.
„Schulen, die gute Arbeit gemacht haben, werden bestraft“, empört sich Özcan Mutlu von den Bündnisgrünen. Dies sei ein „rot-roter Skandal“. Zudem führe der Senat das gesamte PKB-Modell „ad absurdum“, wenn er das Geld aus 2009 einbehalte.