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Aktuelles - Landeselternausschuss Berlin

Herzenssache Schule: Offener Brief der Berliner BEA-Vorsitzenden

Sehr geehrte Frau Scheeres,

seit Beginn der Corona-Pandemie vor etwas über einem Jahr herrscht auf allen Ebenen Ausnahmezustand. Nie hätten wir uns träumen lassen, dass eine derartige Situation über uns alle hereinbrechen würde. Seither sind Sorgen, Stress und Ängste die Begleiter vieler Eltern.

Genau wie Sie stehen auch wir als Elternvertreter:innen seit März 2020 unter enormem Druck. Zusätzlich zu unseren beruflichen und familiären Verpflichtungen stehen wir für die Eltern der Berliner Schüler:innen bereit: In unzähligen Stunden von Videokonferenzen, Telefonaten und Terminen nehmen wir die Sorgen und Ängste wahr. Wir hören uns die Geschichten an und trocknen Tränen. Wir kümmern uns um schnelle Klärung offener Fragen und stoßen Initiativen an. Dabei erfahren wir auch stellvertretend den Frust und Ärger Vieler, die das Gefühl haben, die Bildungspolitik habe im Krisenmanagement versagt. Das alles machen wir freiwillig und im Ehrenamt aus einem Grund: Weil Schule unsere Herzenssache ist!

Wir BEA-Vorsitzende kennen die Stellen, an denen es hakt und die Argumente für und gegen bestimmte Vorgaben und auch die Qualität, mit der Entscheidungen in der Praxis ankommen. Genau aus diesem Grund sorgen wir uns darum, welche Spuren die Corona-Zeit in unserer Gesellschaft und in den Schulgemeinschaften hinterlassen. Als Ausdruck absoluter Hilflosigkeit erleben wir, wie sich im Laufe der Pandemie zunehmend bei Sitzungen angeschrien wird, juristische Drohbriefe geschrieben, böse E-Mails ausgetauscht werden und Schulgemeinschaften sich überwerfen.

Trotz Allem kämpfen das schulische Personal inkl. Schul- und eFöB-Leitungen, die Schülerschaft und wir Eltern an den Schulen gegen die Pandemie und für einen funktionierenden Schulbetrieb im Land Berlin.

Aber spürbar schwinden die Kräfte, insbesondere durch nicht zu Ende gedachte und widersprüchliche Weisungen der SenBJF. Gerade die jüngsten Entscheidungen zur Teststrategie an den Schulen bringen das Fass zum Überlaufen. Nie zuvor in der Krise haben sich so viele Schulgemeinschaften so entschlossen gegen eine Anweisung gestellt!

Ihre Entscheidung, die Antigen-Selbsttests für alle Schüler:innen verpflichtend zu gestalten, um an Präsenzangeboten teilnehmen zu können, ist richtig!

Dabei ist wichtig zu bedenken, dass die Schulen vor Ort diejenigen sind, die ihre Schüler:innen sowie die Eltern am besten kennen. Genau darum und weil jede Schule individuelle Rahmenbedingungen hat, ist es bei solch einem sensiblen Thema extrem wichtig, den Schulen Handlungsspielräume zu geben. Im Zuge ihrer Eigenverantwortung kann und soll jede Schule entscheiden, an welchem Ort die Testung durchgeführt wird. Diese können die individuellen Bedürfnisse ihrer Schüler:innen am besten einschätzen.

Wir wissen, dass es unmöglich ist, in der aktuellen Lage immer die „richtige“ Entscheidung zu treffen. Die Meinungen und Sichtweisen aller an Schule Beteiligten gehen auseinander und fokussieren Unterschiedliches. Umso wichtiger ist es, dass einmal getroffene Entscheidungen eindeutig und praktisch realisierbar sind und rechtzeitig kommuniziert werden. Nur so lässt sich erreichen, dass sich in dieser schweren Zeit keine Fronten auftun oder verhärten.

Wir bitten Sie – auch mit dem Blick in die Zukunft und mit der Sorge um das individuelle Schulklima nach Corona – seien Sie sensibel. Bitte geben Sie den Schulen die Möglichkeit, die verpflichtende Testung im Rahmen der schulischen Selbstorganisation mit der Schulkonferenz zu gestalten, wie es auch bei der Unterrichtsgestaltung möglich ist.

Charlottenburg Wilmersdorf
Andreas Ritter

Friedrichshain-Kreuzberg
Uwe Berlo

Lichtenberg
Steffen Reinecke

Marzahn-Hellersdorf
Norman Heise

Mitte
Jan Krebs

Neukölln
Daniela von Hoerschelmann

Pankow
Katja Ahrens

Reinickendorf
Harald Voß

Spandau
Enrico Berndt

Steglitz-Zehlendorf
Katja Schöppe-Carstensen

Tempelhof-Schöneberg
Nodjinan Nimindé-Dundadengar

Treptow-Köpenick
Jens Kaminski